Was ist eigentlich Architektur? „Mittags zur Uni“ bietet interessanten Einblick in die Welt der Architekten

Was ist eigentlich Architektur? Mit dieser scheinbar einfachen Frage begrüßte Herr Roland Schultze, Architekt und Referent bei "Mittags zur Uni", am 13. Dezember 2017 interessierte Schülerinnen und Schüler der Oberstufe. Der Einblick in seinen Berufsalltag machte schnell deutlich, dass die Architektur ein sehr komplexes Tätigkeitsfeld ist. Nach seinen Worten wächst sie nicht aus sich selbst, sondern folgt immer einem vorgegebenen Bezug. So müssen vor der ersten Planung viele Vorüberlegungen angestellt werden: Was ist bei einem Bauprojekt das Besondere? In welchem Umfeld wird das Gebäude errichtet? Wie ist der Kostenrahmen? Was sind die besonderen Wünsche des Auftraggebers? Welche Rechtsvorschriften müssen beachtet werden? Wie kann man alledem gerecht werden?

Am Beispiel der Umstrukturierung des Hamburger Hafens vom Hafen- zum Wohngelände machte Herr Schultze deutlich, wie wichtig es ist, den besonderen Geist eines Ortes in die Planungen einzubeziehen. Neben der Planung und Entwicklung der Einzelobjekte setzt dabei der Bereich "Städtebau" den übergreifenden Gestaltungsrahmen. Widmet sich der Bereich "Urbanität" der Gestaltung des Lebens in der Stadt, so richtet der Aspekt "Wohnen" den Fokus auf die Bewohner eines zu planenden Objektes. Passt das Gebäude zu den Bedürfnissen seiner Bewohner? Sind Umweltschutz und Nachhaltigkeit hinreichend berücksichtigt?

Roland Schultze gibt Einblicke in seine Welt als Architekt.

An weiteren faszinierenden Beispielen moderner Baukunst zeigte Herr Schultze neuere Tendenzen in der Architektur auf. Nach seinen Worten strebt der moderne Wohnungsbau zunehmend nach Öffnung und einem fließenden Übergang von der Innenwelt zur Außenwelt. Auch die Art der Entwurfszeichnung habe sich maßgeblich geändert: von der Zeichnung per Hand zum Entwurf am Computer. So verbringt Herr Schultze nach eigenen Angaben mittlerweile 80 % seiner Arbeitszeit am Computer. Zeichenbrett und Stift werden nicht mehr gebraucht.

Laut Herrn Schultze wird die Kreativität eines Architekten vor allem auch durch Problemstellungen gefordert. In diesen Fällen gilt es, "motivierte Lösungen" zu finden. Und dies gelingt in der Umsetzung in der engen Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten zum Beispiel aus den Bereichen Statik, Haustechnik, Landschaftsplanung, Energietechnik. Hier managt und koordiniert der Architekt im Grunde die anderen Gewerke. Ein gutes Planungsgeschick ist dafür unabdingbar, denn jeder am Bauprojekt Beteiligte muss jederzeit genau über den ihn betreffenden Stand der Dinge informiert werden. Obwohl gute Mathematikkenntnisse im Studium wichtig sind, spielen sie in der beruflichen Praxis des Architekten eine eher untergeordnete Rolle, denn die Berechnungen sind in erster Linie die Aufgabe des Statikers. Die Kontaktpflege hingegen beansprucht relativ viel Zeit, da neue Aufträge oft über persönliche Kontakte gewonnen werden. Die persönliche Eignung für ein Studium der Architektur können Schüler in Praktika überprüfen, spätestens in dem verpflichtenden Praktikum vor dem Studienbeginn.

Die Berufsaussichten für Architekten in Deutschland sind laut Herrn Schultze derzeit gut, nicht zuletzt dank eines wachsenden Interesses an ökologischem Wohnungsbau im privaten und öffentlichen Bereich.

Susanna Hahn, Studien- und Berufsorientierung