Laternenfest 2016: Wie eine Löwenlaterne entsteht

Der Herbst ist da und die Tage werden früher dunkel. Somit ist es auch wieder in Shanghai Zeit das Laternenfest zu feiern. Um die Gruppenidentifikation bei jedem Löwenkind zu stärken, lag es nahe, dass wir gemeinsam eine Löwenlaterne basteln. Die Gruppenleitung bereitete eine Laterne in Form unseres Gruppenzeichens vor, um die Kinder zu begeistern ihre eigene Löwenlaterne zu basteln. Viele Augen strahlten sofort und somit konnten wir auch nach den Herbstferien mit den einzelnen Arbeitsschritten anfangen.

Der Andrang an unserem Basteltisch war enorm und nur wenige Kinder mussten von uns Erziehern zum Basteln motiviert werden. Da die Laterne aus verschiedenen Arbeitsschritten bestand, konnten die Kinder selbst wählen, mit welchem der ersten Arbeitsschritte sie anfangen wollten. Zunächst mussten die Kinder die Mähne des Löwen herstellen. Bevor wir dies jedoch taten, klärten wir im Morgenkreis um unser Wortverständnis zu erweitern, was eine Mähne überhaupt ist. Nachdem uns André darüber aufklärte: „Das ist das Haar vom Löwen“, fragten wir die Kinder, ob sie andere Tiere kennen, die eine Mähne haben. Elsa wusste sofort: „Pferde haben auch eine Mähne.“ Auch wurden die anderen Bestandteile genannt und die Schnurrhaare, die an der Nase hingen, wurden sofort mit einer Katze in Verbindung gebracht. Lilly wies uns nämlich daraufhin: „Das hat eine Katze auch.“

An diesem Beispiel wird gut gezeigt, wie die Sprachförderung bei Bastellangeboten funktionieren kann. Hier erweiterten wir unseren Wortschatz z. B. um ein Synonym für Haare (Mähne) oder einen neuen Begriff (Schnurrhaare), den jeder schon auf Bildern von Katzen gesehen hat und dann haben wir aktiv an diesen neuen Substantiven in unserem Wortschatz gearbeitet.

Die Kinder wählten selbst, ob sie zuerst die Mähne aus braunem Tonpapier ausschneiden oder das kreisrunde Gesicht, mit einer Prickelnadel in der Mitte der Mähne, ausstechen. Diese zwei Arbeitsschritte waren sehr arbeitsaufwendig und einige Kinder zeigten hier schon sehr großes Durchhaltevermögen. Viele beendeten diese zwei Arbeitsschritte an einem Tag und konnten somit am nächsten Tag mit den weiteren Arbeitsschritten beginnen oder auch einfach eine Pause machen und das Freispiel genießen. Da aber einige Kinder ein größeres Interesse am Freispiel haben und lieber Kontruktionsspiele, Rollenspiele oder anderes wahrnehmen, dauerte es  unterschiedlich lange, bis jedes Kind fertig mit den verschiedenen Arbeitsschritten war, was jedoch gar kein Problem war, da genügend Zeit für dieses Angebot eingeplant war.

Beim nächsten Arbeitsschritt konnten die Kinder wählen, ob sie die Beine und Nase inklusive Schnurrhaare ausschneiden oder lieber mit dem Klebestift das gelbe Transparentpapier als Gesicht aufkleben wollen. Hier entschieden die Kinder unterschiedlich. Einige hatten sich dazu entschieden die Schere weiter zu nutzen und die etwas schwierigeren bzw. komplexeren Formen auszuschneiden, andere wollten lieber mit dem Klebestift arbeiten, um vielleicht ein wenig Abwechslung in den Arbeitsschritten zu haben. Die ausgeschnittenen Beine und Nase mit Schnurrhaaren mussten dann am Kopf mit Hilfe des Klebestifts befestigt werden. Auch die Wackelaugen klebten die Kinder an der richtigen Stelle über der Nase. Als die ersten Löwenlaternenhälften fertig waren, und schon den Gruppenraum schmückten, motivierte dies alle Kinder weiter an ihren Laternen zu basteln bzw. die zweite Seite herzustellen. Johann, der lieber im Kontruktionsbereich seine Erfahrungen sammelt und eher kurze Arbeitsschritte an seiner Laterne nutzte, motivierte sich jedoch des Öfteren auch von ganz alleine durch die Präsenz der mehr und mehr werdenden Löwen im Gruppenraum. Er fragte ohne Motivation durch die pädagogischen Fachkräfte: „Ich möchte jetzt weiter an meiner Laterne basteln.“

Dieses Angebot ist vor allem eine sehr gute Förderung der Feinmotorik und der Konzentration bzw. der kognitiven Fähigkeiten. Die Kinder schnitten große Einheiten an Schneidebewegungen mit der Schere und führten Stechbewegungen mit der Prickelnadel durch. Speziell die Prickelnadel trainiert sehr gut die Stifthaltung eines Erwachsenen. Da die Kinder beim Prickeln präzise auf einer Linie in nahen Abständen Löcher ins Tonpapier stachen, erhielten sie eine Perforierung des Gesichts, welches dann herausgelöst werden konnte und durch gelbes Transparentpapier ausgetauscht wurde. Dies machte vielen Kindern sehr viel Spaß, so dass sie die Erzieher nach weiteren Prickelangeboten im Freispiel fragten. Auch nutzten die Kinder den Klebestift und schon das Öffnen des Klebestiftes und das Herausdrehen der Klebemasse ist für die jüngeren Kinder immer wieder eine gute Feinmotorikübung und gar nicht so einfach wie wir Erwachsenen vielleicht denken.

Kognitiv mussten die Kinder sich auf die z. T. komplexen Strukturen konzentrieren und den vorgezeichneten geometrischen Formen folgen. Die Mähne hatte „dreieckige“ Strukturen und das Gesicht einen Kreis. Das Drehen des zu bearbeitenden Objekts trainiert nicht nur die Feinmotorik, erfordert auch sehr viel Konzentration nicht von der Linie abzukommen.

Nach drei Wochen waren alle Laternen rechtzeitig für das Laternenfest fertiggestellt und wir fingen an unsere Laternenlieder einzustudieren.

Leider ist unser großes Laternenfest dieses Jahr in der Kita ausgefallen, aber wir sind trotzdem als Löwengruppe in unserem abgedunkelten Gruppenraum und durch die gesamte Kita und einen Teil der Schule mit unseren Laternen gelaufen.

Lucas Löhnert

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Alle Fotos © DS Shanghai