Kleine Kinder gehen große Schritte – Eingewöhnungszeit in der Kita

Wenn Kinder in die Kita kommen, beginnt nicht selten für die ganze Familie ein neuer Lebensabschnitt. Morgens früh aufstehen, pünktlich das Haus verlassen und weniger zusammen sein. Daran müssen sich nicht nur Kinder erst einmal gewöhnen. Diese Erfahrung machen in diesen Wochen viele Familien in Shanghai: Ende August 2016 hat an der EuroCampus-Kita die Eingewöhnungszeit begonnen.

Seitdem kommen jede Woche neue Mädchen und Jungen in die Einrichtung, rund 95 sind es insgesamt. Sie bleiben zunächst wenige Stunden, anfangs mit den Eltern, aber auch schon bald allein. Ihre Eltern warten zuerst im Garderobenflur, später im Verwaltungsbereich und auf dem Schulgelände. Sobald sich die Kinder wohlfühlen, wird die Betreuungszeit ausgedehnt. Die Kinder essen das erste Mal Mittag in der Gruppe, schlafen dort das erste Mal, entdecken ständig neue Dinge, begegnen vielen neuen Gesichtern und schließen erste Kontakte. Das braucht Zeit – wie viel, das ist von Kind zu Kind unterschiedlich. 

Enger Austausch zwischen Eltern und Pädagogen

„Eine individuelle und entwicklungsorientierte Eingewöhnung erleichtert es den Kindern, sich an die neue Situation zu gewöhnen“, weiß die Kitaleiterin Ellen Scheurer aus langjähriger Erfahrung. „Sie sollen sich schrittweise in dem neuen Lebensbereich orientieren und wohlfühlen können.“
Während ein Kind vielleicht schon in den ersten zwei Wochen den ganzen Tag in der Kita verbringen mag, tut sich ein anderes vielleicht schwer und braucht mehr als einen Monat, um sich richtig wohlzufühlen. Woran das liegt? 
„Vielleicht ist die Familie gerade umgezogen, kommt gerade erst aus einem langen Urlaub zurück, hat noch einmal Nachwuchs bekommen oder das Kind war noch nie länger von seinen Eltern getrennt“, sagt Ellen Scheurer. „Die Gründe sind wie wir Menschen verschieden und so unterschiedlich gehen unsere Erzieherinnen und Erzieher auch in der Eingewöhnungsphase vor.“ Generell lässt sich aber festhalten: „Je enger die Gruppenleitungen und Eltern zusammenarbeiten und sich  über die Vorlieben und Abneigungen des Kindes sowie über Rituale und Werte in der Familie und in der Einrichtung austauschen, desto besser.“

Vertrauen aufbauen, Geborgenheit schenken

Ziel der Eingewöhnung sollte also nicht eine möglichst rasch bewältigte Trennung sein, sondern ein allmähliches Einlassen auf außerfamiliäre Beziehungen. So entsteht bei allen Beteiligten ein Gefühl der Sicherheit, Vertrauen und Orientierung im Umgang miteinander. Für Kinder ist es wichtig, dass sie spüren, dass ihre Eltern sie mit gutem Gewissen den neuen Betreuungspersonen anvertrauen. Auch zu Hause sollte der neue Lebensabschnitt Thema sein. Eltern können ihre Kinder unterstützen, indem sie Fragen stellen: Was hast du heute erlebt? Mit wem hast du gespielt? Was habt ihr heute zu Mittag gegessen? „Kinder freuen sich über das Interesse und fühlen sich ernst genommen“, so Ellen Scheurer.

Wann ist die Eingewöhnung abgeschlossen?

Eine erfolgreiche Eingewöhnung zeigt sich daran, dass sich das Kind von der Gruppenleitung trösten und pflegen lässt, entspannt spielt und einen ausgeglichenen Eindruck macht. Neugierig wird es die neue Umwelt erkunden und aktiv am Gruppengeschehen teilnehmen. 
Ablesen lässt sich die positive Entwicklung auch an einer alltäglichen Szene, die sich Ende September schon an vielen Stellen auf den Kitafluren beobachtet lässt. Kinder verabschieden sich noch eben von ihren Eltern, um schnell zu den neuen Freunden zu rennen und die Kitawelt auf eigene Faust zu entdecken. Sie sind in ihrer Gruppe angekommen. 

Katharina Putzer /PR

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Alle Fotos © DS Shanghai, kp/PR