Geschichte zum Anfassen: Vortrag zu chinesischen Migranten im Nationalsozialismus

Die Sinologin, Journalistin und Kommunikatorin Dagmar Yu-Dembski aus Berlin war am 2. Dezember 2015 zu Gast am EuroCampus, um im Rahmen des Geschichtsunterrichts der 10. Klasse einen Vortrag über in chinesische Migranten in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus zu halten.

Der spannende und informative Vortrag zu einem Themengebiet, das bisher sehr wenig erforscht wurde, begann mit der Einordnung der Thematik in den geschichtlichen Kontext, nämlich der chinesischen Migration zur Zeit der Weimarer Republik. Es gab damals jedoch, anders als in anderen europäischen Städten, wie z. B. London oder Paris, nur wenige Chinesen in den deutschen Städten. Die chinesischen Gemeinden setzten sich allgemein aus drei verschiedenen Klassen zusammen: Kaufleute, Studenten und politische Aktivisten, wie zum Beispiel die berühmte politische Aktivisten Hu Lanqi.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, wurden die Rechte für chinesische Migranten mit Bezug zu kommunistischen oder sozialistischen Organisationen zunächst deutlich eingeschränkt. Mit dem Einführen der Nürnberger Rassengesetze im Jahr 1935 wurde die Ehe zwischen Deutschen und Chinesen verboten. Im Jahre 1938 dann richtete der damalige Leiter der Gestapo eine „Zentral Stelle für Chinesen“ ein, die die bisherigen Aufenthalts- und Erwerbserlaubnisse deutlich einschränkten.

Nachdem die diplomatischen Beziehungen zwischen dem „Deutschen Reich“ und China abgebrochen wurden, hatten die chinesischen Migranten keine rechtliche Vertretung mehr im Land und somit wurde die Verfolgung aus rasseideologischen Gründen verschärft. Die meisten Chinesen wurden in Konzentrationslagern ermordet, wobei bis heute die genauen Opferzahlen nicht klar sind.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gründeten die chinesischen Gemeinden in Deutschland ein eigenes Organisationskomitee, das in der neugegründeten Bundesrepublik für mehr Freiheit sorgte.

Der Vortrag wurde von Frau Dagmar Yu-Dembski mit einem Bezug auf ihre persönliche Geschichte als Tochter eines chinesischen Einwanderers abgerundet. Die 10. Klasse bedankt sich noch einmal im Namen der Deutschen Schule Shanghai für die eindrucksvolle Präsentation, die besonders für die Situation der Schüler, die als Deutsche in China leben, äußerst wichtige Hintergrundinformationen enthielt.

Alexander Keller & Juan David Montejo

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Alle Fotos © DS Shanghai