Studienfahrt der 11. Klassen nach Nanjing

Geschichte erleben. Dieses Motto traf auf unsere Nanjing-Exkursion vom 12. auf den 13. Juni 2014 zu. Nur zwei Stunden Zugfahrt und ca. 300 Meter Fußweg reichten, um den Innenhof des "John-Rabe-Hauses" an der dortigen Nanjing-Lu zu erreichen.

In den folgenden zwei Tagen erkundeten wir nicht nur die Geschichte des Deutschen John Rabe, der die Sicherheitszone während dem Nanjing-Massaker 1937 mitten in der Stadt errichtete, sondern auch das Massaker selbst. Hierbei legten wir besonders Wert auf die Darstellungsweise der Geschehnisse vor Ort, denn Fakten und Zeugenberichte kann man in jedem Lehrbuch nachlesen, doch wie Menschen damit umgehen, das erfährt man nur dort.

Vergleicht man die Informationsdarstellung des John-Rabe-Hauses mit der des Nanjing-Massaker-Museum, fällt sofort eines ins Auge: Während ersteres sachlich und relativ neutral berichtet, nutzt letzteres eine suggestive Atmosphäre, um eine subjektive, anti-japanische Sichtweise zu verbreiten. Es ist unumstößlich, dass die japanischen Soldaten im Herbst 1937 gräuliche Kriegsverbrechen begangen haben, die ca. 300.000 Opfer forderten. Doch kann ich nur für mich sprechen, wenn ich sage, dass dramatische Chorgesänge, Lichteffekte und Plastiknachbauten, die Schlachtbedingungen suggerieren sowie Inschriften, die von "Devils" anstatt japanischen Soldaten sprechen, unangemessen sind.

Neben dem Gedenken der Opfer scheint es, als würde man sich ihre schiere Anzahl zunutze machen, um immer neue Abneigung zu schüren. In Anbetracht der Tatsache, dass die japanische Regierung bis heute keine Verantwortung übernommen hat, ist es nur verständlich, dass es schwer fällt, die Toten ruhen zu lassen. Doch Hass ist keine Lösung und würde nur zu neuen Konflikten führen.

Letzten Endes ist und bleibt dies jedoch auch nur eine subjektive Einschätzung und ich kann jedem nur empfehlen, Nanjing zu besuchen, da dieser Ausflug nicht nur informierend, sondern auch abwechslungsreich war.

Helen S., 11a

 

Der Besuch des Nanjing-Massaker-Museums fand unter der Leitfrage "Wie wird Geschichte dargestellt?" statt und schon kurz nachdem wir angekommen waren, fiel uns auf, dass das Museum vollkommen anders war als die Museen, die wir aus Europa kennen. Der Eingang lag neben einer enorm großen, dunklen Steinmauer, vor welcher sich Messingstatuen von Flüchtlingen, die Bildern aus der Zeit des Massakers nachempfunden waren, befanden. Auf dem Sockel ebendieser Statuen fanden sich fiktive Zitate wie "Rettet euch, die Teufel kommen!" oder "Hört ihr das hämische Lachen der Teufel?". Mit "Teufel" sind die japanischen Soldaten gemeint, auch wenn in den meisten Informationstexten nur "Japaner" steht und somit die gesamt japanische Bevölkerung adressiert und verantwortlich gemacht wird. Zur dramaturgischen Untermalung  wurde am Eingang sowie in vielen Ausstellungsräumen melancholische Chormusik gespielt. Hinzu kamen aus Pappmaché angefertigte Nachahmungen des Kriegsschauplatzes und der von japanischen Soldaten besetzten Häuser. Ich kann nicht für alle sprechen, doch auf die meisten wirkten diese Bildnisse völlig fehl am Platz und wie eine Leihgabe aus dem "Phantasialand".

Trotz aller politischen Instrumentalisierung, Unsachlichkeit und Dramaturgie richteten wir unseren Blick auch auf das unvorstellbare Leid der chinesischen Zivilbevölkerung, ausgelöst durch die Kriegsverbrechen der japanischen Besatzer. Das Nanjing-Massaker fing am 13.Dezember.1937 an, dauerte über 7 Wochen und forderte mehr als 200 000 Todesopfer, welcher wir gedenken möchten.

Luca D., 11c

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Alle Fotos © DS Shanghai /