Debattierwettbewerb in Beijing: Abschlussbericht der Schüler

Am 15. und 16. Mai 2014 nahmen 16 Schüler der Jahrgangsstufe 11 am "Lycée Français International de Pékin International Debating Competition" teil, der in Peking ausgetragen wurde. Hier berichten die Schüler von ihren Erfahrungen.

Abenteuer Peking- Tag 3, 16.05.14: Erster Teil

Der letzte Tag in Peking stand nun vor uns. Da nur eines der beiden DSS Teams es das Halbfinale, geschafft hatte, konzentrierten wir uns alle darauf, das Team DSS1 auf die aufkommenden Debatten vorzubereiten. In der Nacht zuvor, saßen alle noch fleißig an den beiden Motions dran, die für heute angesagt waren, und wir stellten das Team noch die gemeinsten und schwierigsten Fragen, damit sie auch sicher und gut vorbereitet sind. Wie wir bereits gestern mit dem Team des Dulwich Colleges erlebt hatten, werden während der Debatten die miesesten Tricks verwendet, so nett die Sprecher auch außerhalb des Wettkampfs sein mögen.

Erst heute, eine halbe Stunde vor dem Beginn der Halbfinale wurde angekündigt welche Motion die jeweiligen Teams erhalten würden und ob sie die Proposition bzw. die Opposition vertreten werden. Dies wurde mithilfe eines Münzwurfes bestimmt. Obwohl beide Motions sehr komplexe Themenbereiche abdeckten, gab es dennoch im Halbfinale eine Motion, welche unsere Kandidaten bevorzugten. Die Motion handelte von der Digitalisierung in der Finanzdienstleistungsbranche und sie wurde uns glücklicherweise in unserer Debatte gegen das Team LFIP1 zugeschrieben.

Das erste Halbfinale fand zwischen Dulwich College und LFIP4 statt. Dulwich hatte in der Gruppenphase das Team DSS2 besiegt und ging als deutlicher Favorit in das erste Halbfinale hinein. LFIP4 wurde von der Mehrheit als das schwächste Team der vier Halbfinalisten angesehen. Der Eintritt ins Finale von Dulwich College war also bevor die Debatte überhaupt begann, schon fast garantiert.  Das Team DSS1 hatte ein sehr starkes Team als Gegner vor sich. LFIP1 kam als Erster aus der Gruppenphase und besiegte das Team der Canadian International School. Der Druck auf die Debattierenden ist also enorm, da sie jetzt vor einem riesigen Publikum sprechen müssen und einen starken Gegner zu besiegen haben. Alle anderen waren natürlich auch nervös wie verrückt und hofften auf eine gute Vorstellung der deutschen Kandidaten.

Das erste Halbfinale begann und der Auftritt von Dulwich war nicht zu übersehen. Eine Mischung aus sprachlicher und inhaltlicher Genauigkeit zeigte sich unter den Sprechern des Dulwich Colleges. Obwohl das Team LFIP4 besser als erwartet debattierte, hatten sie im Endeffekt keine Chance gegen ihren Gegner. Was aber nicht zu übersehen war, war die leichte Respektlosig- und Unsportlichkeit der Debattierenden des Dulwich Colleges, was sie auch sehr unbeliebt im Publikum machten.  Nichtsdestotrotz eine sehr souveräne Präsentation!

Nach dem ersten Halbfinale folgte natürlich das Zweite und nun wurde es für unser Team ernst. Obwohl das Team LFIP1 einen Heimvorteil erhielt, hatten wir mithilfe der LFS aus Shanghai auch eine sehr große Fan-Base. Die Debatte begann mit Ingrid Schröder, dann kam Felix Chen, daraufhin Dennis Zhang und zum Abschluss Leo Friedlein. Es resultierte eine sehr intensive Debatte einer sehr hohen Qualität. Vor allem Felix Chen konnte die Fragen des gegnerischen Teams locker und unglaublich präzise beantworten und lies die Gegner für kurze Zeit sogar sprachlos, worauf wir super stolz sind.  Das gegnerische Team war zwar inhaltlich sehr gut vorbereitet, sprachlich aber nicht so gut wie das Team der DSS. Dennoch war der Eintritt ins Finale noch nicht sicher, denn die Jury musste die Debatte anhand drei Kriterien auswerten (command of English; oratorical skills; technical expertise). Als die 6 Mitglieder der Jury zu einem Beschluss gekommen sind und die Bekanntgabe anstand, war der Saal komplett still und man spürte eine zerbrechliche Spannung in der Luft. Als unsere Schule als Gewinner ernannt wurde, begannen das Geklatsche und Geschreie des Publikums. Umarmungen und lachende Gesichter prägten die Szene für die Deutschen in Peking! Finale oh ohhh!! Finaleee oh ohh..

Abenteuer Peking- Tag 3, 16.05.14: Zweiter Teil

Nach einem leckeren Mittagessen in der Schule machten wir es uns alle im nächsten Costa Coffee gemütlich, wo die letzte Besprechungsrunde mit unseren beiden Mentoren Frau Schweitzer und Frau Häntzschel stattfand. Alle waren extrem aufgeregt und durch das Finale gegen das Team des Dulwich Colleges leicht eingeschüchtert. Trotzdem bestand für das Team eine gute Chance, da so viel Mühe und Arbeit hineingesteckt wurde, sodass unsere Teammitglieder auf das Thema der Motion über Auslandshilfe in Entwicklungsländer inhaltlich gut vorbereitet waren.

Diesmal versammelten sich noch viel mehr Zuschauer im Saal und alle waren auf das große Finale gespannt. Erneut wurde mit einem Münzwurf für die zu debattierenden Seite bekannt gegeben, woraufhin die Finalisten jeweils eine halbe Stunde Vorbereitungszeit erhielten. In der Zwischenzeit bekamen die Zuschauer im Saal von Experten, die auch in der Jury sitzen, eine Präsentation über die „Bill und Melinda Gates Foundation“ zu sehen, worauf sich das Wettbewerb basiert, da es sich mit globalen Problemen beschäftigt.

Endlich wurden die beiden Teams, die mit lautem Anfeuern und Applaus begrüßt wurden, wieder in den Saal geholt. Es war so weit! Unglücklicherweise mussten unsere Sprecher für die Seite der Proposition argumentieren, bedeutend, dass sie eine Suspension der Auslandshilfe unterstützten. Ganz klar, hatten sie sich somit deutlich die schwierigere Seite erhalten. Da das gegnerische Team die Proposition vertrat, durften sie dementsprechend die Debatte beginnen.

Der erste Kandidat sprach eloquent und benutzte viele Fakten, was so ziemlich alle Sprecher des Dulwich Colleges beschreibt. Es wurden gute Fragen von den deutschen Sprechern gestellt, aber diese wurde auch sehr stark beantwortet. Nun waren wir an der Reihe. Die erste Rede wurde von Ingrid Schröder gehalten. Eine Rede ist immer 2 Minuten lang und dann hat das gegnerische Team 1 Minute Zeit um dem Redner fragen zu stellen. Die Rede von Ingrid war fantastisch. Kein stottern, keine Fehler waren zu hören. Auf Ingrid ist Verlass. Nach Ingrid war Felix Chen an der Reihe. Die Rede von Felix sehr informativ, aber seine wahre Stärke liegt im Beantworten der Fragen. Und wie immer beantwortete er diese souverän. Manchmal könnte man denken, dass er die Fragen im Voraus schon kannte und die Antworten auswendig gelernt hat. Der dritte Kandidat des deutschen Teams war Silvia Glas. Obwohl Silvia vor der Debatte sehr nervös war, war sie wahrscheinlich die Ruhigste von allen, als sie auch der Bühne stand. Frau Schweizer würde dazu sagen: Cool as cucumber. Die Debatte war heiß. Beide Teams waren Kopf an Kopf. Der letzte Redner war Dennis Zhang, der Kapitän und das Ass. Nach einer sehr emotionalen und wahrlich fantastischen Rede, welche bei vielen Personen Gänsehaut auslöste, beendete Dennis das Finale unglaublich. Viele Menschen aus dem Publikum gratulierten Dennis, weil seine Präsentation so gut war. Nach der Debatte gab es keinen eindeutigen Gewinner. Beide Teams zeigten, dass sie sich hart und intensiv vorbereitet haben. Beide Teams zeigten, dass sie in Finale gehörten, weil diese Debatte wahrscheinlich die Beste des ganzen Turniers war. Nun wartete jeder im Saal auf den Konsens der Jury. 

 „And the winning team of this year’s LFIP competition is…”, sagte der Veranstalter an, während sich alle die Hände gegenseitig fest drückten. In den nächsten fünf Sekunden herrschte Stille im Saal bevor die Worte „Dulwich College Beijing“ aus dem Mikrofon ertönten  und die Spannung auflöste. „Natürlich sind wir sehr traurig und enttäuscht, aber es freut uns trotzdem überhaupt so weit gekommen zu sein.“, waren die ersten Worte unseres Teams zu hören. Ja klar, es war auch eine Spitzenleistung und jeder darf darauf stolz sein! Später erfuhren wir, dass das Gegnerteam nur knapp mit wenigen Punkten gewonnen hatten, da die Jury mehr von ihrem Fachwissen des Themas überzeugt waren, obwohl DSS1 mehr Punkte im sprachlichen Bereich erzielten.

Es folgte das Händeschütteln mit den Schülern der Dulwich College und die Veranstaltung wurde schließlich mit der Urkundenverleihung der Abschlusszeremonie abgerundet. Die Zugfahrt zurück dauerte 6 Stunden lang. Erstaunlicher Weise wurde fast gar nicht über die Debatte geredet. Ein Zeichen dafür, dass das Team zufrieden mit dem Ergebnis ist. Kein Kandidat schien sauer oder wütend zu sein.

Es war insgesamt ein tolles und unvergessliches Erlebnis für alle sechzehn Schüler aus der Deutschen Schule Shanghai und das einzige was zählt war, dass wir eine Menge Spaß hatten! Ohne der Hilfe von Frau Häntzschel und Frau Schweizer wäre dieses fantastische Erlebnis gar nicht möglich gewesen und alle Schüler, die an diesem Ausflug teilnehmen durften sind unseren Coachs sehr dankbar!

„Clapping and cheering is now in order“

Christopher Syhr und Kathleen Cheng, 11B