Exkursion der 7a in den Stadtteil Hongkou

Nachdem wir uns im Deutschunterricht ausführlich mit „Ina aus China“ beschäftigt und erfahren hatten, dass ihre Freundin Inge als „Halbjüdin“ 1938 aus Brandenburg nach Shanghai ausreisen musste, lasen wir auch ihre Geschichte, niedergeschrieben im Roman „Torte mit Stäbchen“. Dabei erfuhren wir, dass Inge an vielen Stellen in Shanghai unterwegs war, die man auch heute noch entdecken kann. Für sie waren das die French Concession und der Stadtteil Hongkou, in dem sie mit ihrer Familie ab 1943 auf Anweisung der Japaner leben musste.

Nun wollten wir nachschauen, welche von diesen „authentischen“ Plätzen noch existieren und fuhren am 31. März 2014 zunächst zum Jüdischen Museum in der Changzhi Lu. Zunächst nahmen wir in der Ohel Moshe Synagoge Platz und erfuhren, was an einer Synagoge alles jüdisch ist. Auf Bildern in der ständigen Ausstellung konnten wir dann sehen, was wir beim Lesen des Romans schon erfahren hatten: das Leben in Shanghai in den 1930ern.

Viel interessanter waren aber die Gebäude in der Nähe der Synagoge. Zum Glück für uns hat man erst kürzlich begonnen, diese zu rekonstruieren. So konnten wir uns in erhalten gebliebenen Innenhöfen, Hauseingängen und Vorgärten wenigstens ein bisschen Inges Zeit zurückrufen. Am geschäftigen Treiben wird sich nicht viel geändert haben – auch wir begegneten Straßenhändlern, Schuhmachern, Fahrradmechanikern und Garküchen, in denen sich einige der Klasse eine Nudelsuppe holten. Weniger angenehm empfanden wir die Tatsache, dass man immer noch auf ein zentrales WC geht, was vor den schmalen Gassen der Hauseingänge gelegen war. Auch die Waschgelegenheiten sind für einige Bewohner nach wie vor auf der Straße zu finden. Das Stöbern durch das ehemalige jüdische Viertel schloss ein Blick auf den „Mascot Roof Garden“ ab, die Dachterrasse des Broadway Theaters, auf der sich Inge öfters mit Max amüsiert hatte und die allgemein recht beliebt bei jüdischen Immigranten war. Leider steht das Haus heute leer.

Unseren Ausflug setzten wir fort, indem wir uns vom Bus zum Quartier 1933 bringen ließen. Entstanden ebenfalls vor Beginn des 2.Weltkrieges  wurde dieses Gebäude damals als Schlachthof genutzt. Heute nehmen es Boutiquen, Ateliers und Restaurants in Beschlag. Von der Dachterrasse konnten wir noch einmal sehen, wie eng die ursprüngliche chinesische Bebauung des vergangenen Jahrhunderts gewesen ist. Außerdem trafen wir uns in einem russischen Restaurant zum Mittagessen.

Anschließend ging es zu Fuß entlang des Kanals vorbei am Russischen Konsulat über die Garden Bridge, über die viele der Shanghaier Juden während ihres aufgezwungenen Lebens in Hongkou nicht hinüber durften (weil sie keinen Passierschein hatten) zum Bund, von wo aus wir einen abschließenden Blick auf die Prachtbauten Shanghais warfen, wie es Inge sicherlich auch das eine oder andere Mal getan haben wird.

Klasse 7a & Christian Häntzschel

Zum Vergrößern auf das Bild klicken. Nutzen Sie auch die Navigationselemente rechts und links im Bild und die Übersicht zum schnellen Vorspulen.


Alle Fotos © DS Shanghai