Begegnung mit dem Holocaust-Überlebenden Peter Feigl

Am Montag, den 24. Februar 2014, machten sich interessierte Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 11 im strömenden Regen und in Begleitung von Ludger Sobkowiak und Annette Landgräber nach Schulschluss auf den Weg zur Concordia School in Pudong, die zu einem Zeitzeugen-Gespräch eingeladen hatte. Die bei einer solchen Wetterlage in Shanghai üblichen Verkehrsverhältnisse führten dazu, dass sich die Fahrt relativ zäh gestaltete und wir erst nach guten eineinhalb Stunden unser Ziel erreichten. Gerade noch pünktlich angekommen nahmen wir unsere Plätze im Schultheater ein.

Auf der Bühne begann dann der zum Katholizismus konvertierte Jude Peter Feigl zu sprechen, der wesentlich jünger wirkte,  als die meisten von uns sich einen 84-Jährigen vorgestellt hatten. Feigl schilderte sehr lebhaft und bemerkenswerterweise auch sehr humorvoll sein Schicksal, wenn er aus kindlicher Perspektive und mit amüsanten Anekdoten durchsetzt von seiner frühen Kindheit in Deutschland berichtete, von der Flucht nach Frankreich, der Deportation seiner Eltern nach Auschwitz und der für ihn lebensrettenden Unterstützung, die ihm am Ende einer Flucht-Odyssee in der Gemeinde Le Chambon zuteil wurde. In diesem Hugenottendorf im Zentralmassiv wurden mehr Juden vor den Nazis versteckt und vor dem Tod gerettet, als es Einwohner hatte. Mit Hilfe der Dorfbewohner gelang Feigl schließlich die Flucht in die Schweiz und siedelte später in die USA über.

Besonders berührend war Feigls Schilderung seiner Reise zum KZ Auschwitz-Birkenau lange nach dem Krieg, um Abschied von seinen Eltern zu nehmen. Hier rang der Zeitzeuge einen Augenblick um Fassung.

Nach etwa 90 Minuten neigte sich dann der von Fotos und einer Moderatorin gelenkte Vortrag seinem Ende zu. Was haben wir auf den Heimweg mitgenommen? Uns wurde eine andere Sicht auf die Dinge geboten, als wir sie aus den Geschichtsbüchern kennen – es handelte sich nicht um eine analytische, sondern eine sehr individuelle und persönliche Darstellung. Beeindruckt hat die Lebensfreude dieses Mannes, sein Optimismus, sein Humor  und der Verzicht auf Pauschalurteile. Und deutlich wurde die Zivilcourage einzelner Menschen – sie haben Peter Feigl das Leben gerettet.

Danke diesen unbekannten Helden, danke Peter Feigl für das interessante  Zeitzeugen-Gespräch.

Luca Dülfer, 11c