Welt-AIDS-Tag 2013 am EuroCampus

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Im Rahmen der AIDS-Prävention am EuroCampus fand am 5. Dezember 2013 der diesjährige Projekttag für die Klassen 9 statt. Der Projekttag zum Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember hat an unserer Schule eine lange Tradition, präsentiert sich aber von Jahr zu Jahr neu.

Los ging es am Morgen mit der Wiederholung einer Innovation aus dem Vorjahr: Wie 2012 fand der Tag in Kooperation mit unserer französischen Partnerschule statt. Nach einer Begrüßung der Schüler durch die beiden Schulleiter, Eric Veteau und Manfred Lauck, die in ihren Reden die Bedeutung schulischer Prävention unterstrichen, mischten sich über 150 französische und deutsche Schüler zu einem eindrucksvollen Experiment. Ausgerüstet mit Reagenzgläsern gingen sie der Frage nach, wie schnell sich der Virus durch Kontakt mit anderen Personen verbreitet. Das eindrucksvolle Ergebnis hat bestimmt schon am frühen Morgen den einen oder anderen zum Staunen gebracht.

Danach wurden die deutschen Schüler zwei Schulstunden routiniert von ihren Biologielehrern betreut. Thema: Biologische und chemische Grundlagen zur Ansteckung mit dem HI-Virus und zum Ausbruch der Krankheit AIDS. Dieser Programmpunkt ist ebenso jahrelang erprobt wie die folgenden 90 Minuten, die die Ethiklehrer der Schule zusammen mit Schulsozialarbeit und weiteren Mitarbeitern des Cocu-Teams gestalteten. Das Wissen um Übertragungswege wurde gesichert, der Gebrauch von Kondomen eingeübt, und in einem Rollenspiel konnten unsere Schüler ihre Einstellung und ihr Verhalten gegenüber HIV-Infizierten erproben. Parallel dazu hatten sie die Gelegenheit, mit den zwei deutschen Ärztinnen Dr. Kirsten Hübner und Dr. Bettina Kölling, über alle Themen rund um Sexualität, HIV-Infektion und AIDS zu sprechen – die erste Neuerung in diesem Jahr.

Die zweite Neuerung an diesem Tag wird die Schüler wohl noch eine Weile beschäftigen: Der deutsche Schauspieler Michael Wanker spielte im Ein-Personen-Stück „I will survive“ von Raoul Biltgen einen professionellen AIDS-Kranken.

Oliver Schmitz

„I will survive“ – das Theaterstück zum Projekttag

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Nachdem die Schüler sich im Fach Biologie, mit zwei Ärztinnen und in Rollenspielen mit dem Thema AIDS auseinandergesetzt hatten, wurden sie mit einem weiteren Aspekt der Krankheit konfrontiert: Was bedeutet es für Menschen, tatsächlich mit HIV infiziert zu sein?

Statt dies einfach nur im Unterricht abzuarbeiten, schauten sich die Schüler das Theaterstück „I will survive“ im Fine Arts Center an. Der deutsche Schauspieler Michael Wanker, der für diesen Anlass aus Hamburg angereist war, spielt in dem Ein-Personen-Stück den HIV-Infizierten Martin Rehbein. Martin Rehbein erzählt dem Publikum auf spannende Weise seine Lebens- und Leidensgeschichte – beginnend mit der HIV-Diagnose, von der er nach dem Blutspenden als Student erfährt, über eine Zeit der Isolation bis hin zu der aktuellen aktiven Phase, in der er seine Krankheit akzeptiert hat und durch Deutschland reist , um Vorträge darüber zu halten. Martin Rehbein gibt dabei detaillierten Einblick in sein Gefühlschaos, in dem sich Depression, Isolation, Wut, Hoffnung und die Annahme der eigenen Situation und Krankheit vermischen, und zeigt auf diese Weise einen typischen Verlauf der Gefühle von HIV-Infizierten auf.

Während des rund 75 Minuten langen Stückes, das aus der Feder von Raoul Biltgen stammt, läuft der Schauspieler Michael Wanker zu Hochtouren auf und spielt den HIV-Infizierten auf eine höchst eindringliche Art. Die Schüler der DS Shanghai EuroCampus saßen wie gebannt auf ihren Sitzen im Schultheater und verfolgten das Stück aufmerksam, über weite Teile der Vorstellung mucksmäuschenstill.  Im Anschluss an das Theaterstück stand Michael Wanker für eine Fragerunde zur Verfügung, die von den Schülern auch fleißig genutzt wurde.

Die DS Shanghai bedankt sich bei der Michael Stich Stiftung, die die Vorstellung von „I will survive“ an beiden Schulen in Shanghai finanziell unterstützte. Das Theaterstück ist seit 2008 ein fester Bestandteil im HIV-Präventionsprogramm an Hamburger Schulen, das die Stiftung seit 2006 betreibt.  Die Stiftung setzt sich seit ihrer Gründung im Jahr 1994 für HIV-Infizierte, Betroffene und an AIDS erkrankte Kinder ein. Mehr Informationen finden Sie hierzu auf der Webseite www.michael-stich-stiftung.org.

dp/PR

Michael Wanker hatte im Anschluss an seine Vorstellung noch Zeit für ein Interview, was nun folgt:

Interview mit Schauspieler Michael Wanker

Bildrechte: Michael Wanker / www.michaelwanker.de

Seit wann führen Sie das Theaterstück „ I will survive“ auf?

2007 hatte ich Premiere mit dem Stück am Theater in Hamburg und habe dort bis 2008 rund 20 Vorstellungen gegeben.

Wie ging es danach weiter?

2008 saß in der letzten Vorstellung eine Mitarbeiterin der Michael Stich Stiftung im Publikum und war vom Stück ganz begeistert und hat gleich eine Zusammenarbeit angedacht, damit das Stück auch in Zukunft noch gespielt werden kann. Nachdem Michael Stich ein Video vom Theaterstück gesehen hatte, fand er, es sei eine ideale Ergänzung zur AIDS-Präventionsarbeit der Michael Stich Stiftung, da die Schüler auch auf emotionaler Ebene angesprochen werden.

Wie erleben Sie das, nehmen die Schüler das Stück sehr emotional auf?

Im Gegensatz zu Erwachsenen, die oft sehr betroffen sind, reagieren Schüler schmerzfreier, die speichern das Gesehene gefühlt irgendwo anders ab. Die klatschen nach dem Stück und sind froh, dass die Anspannung gelöst ist. Sie versuchen das Stück zu verstehen und haben nach dem Stück tausend Fragen, daher gibt es auch die Fragerunde im Anschluss. Nach der Fragerunde sieht man, wie das Stück in ihnen arbeitet, manche kommen dann auch zum persönlichen Gespräch nach vorne.

Welche Frage stellen die Schüler in den Fragerunden am meisten?

Die Frage, die fast immer zuerst gestellt wird: „Haben Sie AIDS?“, die Frage kommt wirklich immer. Ich erkläre den Schülern dann, dass ich nicht die Figur Rehbein bin, sondern der Schauspieler Michael Wanker, der kein AIDS hat.

Warum spielen Sie „I will survive“?

Ich mag das Stück sehr aus ganz profanen, schauspielerischen Gründen. Im Stück kann ich fast jede menschliche Regung, die es gibt, spielen. Verzweiflung, Wut, Trauer, Freude, Erleichterung, Hoffnung, das sind alles Emotionen, die ich sonst nicht alle unbedingt in einem Theaterstück zeigen kann. Nachdem klar war, dass ich das Stück spiele, habe ich gemerkt, was ich mir da aufgebürdet habe und mich dann intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.

Wie sehen HIV-Infizierte beziehungsweise AIDS-Kranke das Stück?

Um mich auf „I will survive“ vorzubereiten, habe ich mit Betroffenen geredet und sie auch um ihre Meinung zum Stück gebeten. Auch wenn der ein oder andere die gezeigten Emotionen teilweise zu intensiv fand – aber so ist eben Theater – konnten sie besonders die verschiedenen Phasen gut nachvollziehen, von Isolation über Wut bis hin zur Annahme reichen.

Welche Pläne haben Sie nach der Shanghai-Reise mit dem Stück?

In Deutschland geht es auf jeden Fall weiter, wir haben schon viele Anfragen, die bis in den Dezember 2014 reichen. Wie es mit den Deutschen Auslandsschulen weitergeht, wird sich noch zeigen.

Eine Frage zum Schluss: Wie gefällt Ihnen der EuroCampus?

Ich mag die Architektur sehr! Das große, Gläserne gefällt mir sehr gut. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, war alles irgendwie grau.

Vielen Dank für das Interview.


dp/PR


Soweit nicht anders vermerkt: Alle Fotos © DS Shanghai