Das Fach Chinesisch an der DS Shanghai


Es gibt sowohl am EuroCampus als auch an der DS Shanghai Pudong für jedes Kind von der Grundschule bis zum Abitur die Möglichkeit, freiwillig am Chinesischunterricht teilzunehmen – in einer der drei Differenzierungsgruppen pro Jahrgang (Anfänger, Fortgeschrittene und Muttersprachler). In Pudong wird Chinesisch seit 2009 in den Klassenstufen 2 bis 5 sogar als Pflichtfach unterrichtet. Die Gruppen sind zum Teil sehr klein, das bedeutet, wir tun dies auch mit hohem finanziellem Aufwand.

Ab Klasse 10 wählt erfahrungsgemäß eine große Anzahl von Schüler/innen Chinesisch als reguläres Unterrichtsfach (als spät beginnende Fremdsprache) mit 4 Wochenstunden. Dieses Fach wird im Abiturzeugnis genannt, die Noten zählen für den Abiturdurchschnitt. Den Schüler/innen der 12. Klasse wird darüber hinaus die Gelegenheit gegeben, nach der Vorbereitung im Unterricht, an der schulexternen Standardprüfung der chinesischen Sprache (Hanyu Shuiping Kaoshi – HSK) teilzunehmen. Die meisten nutzen diese Chance und erreichen gewöhnlich die Stufen HSK 3 (Nicht-Muttersprachler) bis HSK 6 (Muttersprachler). Das sind die höchsten Stufen dieser Chinesisch-Sprachprüfung.

Wir verbessern regelmäßig die Qualität unseres Chinesisch-Unterrichts. Wir haben eine sehr engagierte Fachschaft, mit den deutschen Sinologinnen Frau Dr. Keller, Frau Usow, Frau Liu und Frau Fleischer und sehr kompetenten muttersprachlichen Chinesisch-Lehrerinnen, die auch Deutsch sprechen. Darüber hinaus bilden wir unsere Chinesisch-Lehrkräfte pädagogisch und methodisch-didaktisch fort. Auch hier unternehmen wir also große Anstrengungen, die vielleicht nach außen nicht so sichtbar sind. Durch die regelmäßige Teilnahme (und aktive Mitwirkung z.B. durch Vorträge und Workshop-Angebote) an den Bundesfachtagungen deutscher Chinesischlehrer verfolgen wir die schulische Entwicklung der Chinesischangebote in Deutschland sehr genau. Die Möglichkeiten und die Stellung des Unterrichtsfaches hier vor Ort haben uns den Respekt der deutschen Kollegen bereits eingetragen.

Wir erreichen ein Sprachniveau, das an deutschen Schulen wohl nur schwerlich denkbar wäre. Es ist für unsere Kinder natürlich ein großer Vorteil, dass hier eine Sprachumgebung vorhanden ist, in der das Gelernte sofort in die Lebenswirklichkeit der Kinder mit einbezogen werden kann.

Wir werden immer wieder gefragt, warum wir Chinesisch nicht als weitere Wahlmöglichkeit zu Französisch und Latein als 2. Fremdsprache anbieten. Dazu hier einige Aspekte:

Chinesisch als 2. Fremdsprache ab Klasse 6? – In Deutschland möglich!

  • Ein sehr großer Teil der Schüler/innen an deutschen Gymnasien in Deutschland verbringt seine gesamte Schulzeit an dieser einen Schule und macht dort das Abitur.
  • Fast alle Schüler/innen an deutschen Gymnasien haben den gleichen Hintergrund, was ihre Sprachkompetenz angeht. Sie sind in Bezug auf Chinesisch Anfänger. Ein großes Gymnasium in Deutschland findet in einem Jahrgang von 80 bis 100 Schüler/innen sicher 15 bis 20, die an Chinesisch als zweiter Fremdsprache Interesse haben und die bis zum Abitur dabeibleiben. Daraus ergeben sich pädagogisch und ökonomisch sinnvolle Lerngruppengrößen.
  • Wenn eine Schule in Deutschland bei großem Interesse das Fach Chinesisch als zweite Fremdsprache einrichten möchte, beantragt es dies beim zuständigen Kultusministerium des Landes. Dort wird geprüft und – im Moment noch – ein Schulversuch genehmigt (unter der Bedingung, dass diese Schule dieses Fach mit qualifizierten Lehrkräften, die in geringer Zahl in Deutschland gerade erst ausgebildet werden, bis zum Abitur anbieten kann).
  • Es gibt daher bisher nur recht wenige Gymnasien – über Deutschland unregelmäßig verstreut –, die Chinesisch als 2. Fremdsprache anbieten.

 

Und bei uns nicht?

  • Die meisten unserer Schüler/innen bleiben zwischen drei und fünf Jahren in Shanghai.
  • Wir nehmen jedes Jahr Kinder aus ganz Deutschland in verschiedene Klassenstufen oberhalb der Klasse 6 auf. Diese bringen entweder Latein oder Französisch als zweite Fremdsprache mit (ganz selten Spanisch, nie Chinesisch). Dies müssen wir berücksichtigen und deshalb weiter anbieten.
  • Wir können und dürfen andererseits Kindern, die nach Deutschland zurückkehren, keine Sackgasse anbieten. Eine zweite Fremdsprache mit einer Mindestlernzeit von 4 bis 5 Jahren ist Voraussetzung für das Abitur. Es muss für diese Kinder in Deutschland möglich sein, die Schullaufbahn störungsfrei fortzusetzen, bisher ist das Angebot an Chinesisch als 2. FS in Deutschland noch lange nicht so verbreitet, dass es überall zur Verfügung stünde.
  • In den vergangenen Jahren haben sich bei Befragungen in den 5. Klassen nur einzelne Schüler/innen gemeldet, die unter den gegebenen Bedingungen (Verbleib an der Schule bis zum Abitur) Chinesisch als 2. Fremdsprache machen könnten. Eine pädagogisch und ökonomisch vernünftige Gruppengröße ist unter Beachtung der heterogenen Vorkenntnisse der Kinder und dem damit verbundenen Bedarf an Differenzierung im Moment nicht herzustellen.

 

Fazit und Ausblick

Wir tun sehr viel zur Stärkung des Faches Chinesisch.

Für eine Einführung von Chinesisch als reguläres Unterrichtsfach ab Klasse 6 scheint im Moment die Zeit bei uns noch nicht reif zu sein.

Wir schauen sehr genau im Kindergarten und in der Grundschule, wie sich die Zahl der Kinder entwickelt, die voraussichtlich auf Dauer in Shanghai leben werden und werden auf veränderte Entwicklungen reagieren. Gesetzt den Fall, dass wir unter den genannten Bedingungen sinnvolle, stabile und dauerhaft beständige Lerngruppen im Fach Chinesisch bilden könnten, würden wir die Genehmigung zur Einführung von Chinesisch als 2. Fremdsprache bei den zuständigen Stellen in Deutschland beantragen.

Im Moment können wir die Eltern nur anregen, mit uns gemeinsam Wege zur Ausweitung des bestehenden Chinesisch-Unterrichts zu erforschen.

Wir hoffen, Ihnen damit einen Einblick in die Komplexität der Situation gegeben zu haben.

Seien Sie versichert, dass Sie für das Fach Chinesisch an unserer Schule immer offene Ohren und Herzen finden werden.

Manfred Lauck