Ein (leider) letzter unvergesslicher Ausflug: Besuch der Akademie für chinesische Oper


Am  26.04.2012 besuchten wir Chinesisch-Schüler/innen des diesjährigen Abiturjahrgangs mit Frau Keller und Frau Pan die Opernschule in Shanghai.

Bereits Wochen zuvor hatten wir uns im Unterricht intensiv auf das Thema „chinesische Oper“ vorbereitet. In der Theorie waren uns also z. B. die  Musikinstrumente sowie die Bedeutung verschiedener Rollen oder Maskenbilder zwar  bekannt, doch erst nach einem Besuch der Ausbildungsstätte der Schauspieler konnten wir uns verstehen, welch harte Arbeit diese Kunst von einem Individuum fordert!


Zu Beginn genossen wir einen kleinen Rundgang durch das mit viel Mühe eingerichtete und hübsche Museum der Schule. Anhand einer Miniaturbühne und Requisiten wurde unser Wissen schnell wieder aufgefrischt. Die wunderschönen Kostüme der Schauspieler mit ihren feingestickten Verzierungen waren wahrlich beeindruckend!

Anschließend durften wir bei  einer Unterrichtseinheit eines Jungen und eines Mädchens zusehen. Der direkte Kontakt mit den Schauspielern und  Lehrern zeigte uns, wie viel Disziplin von diesen jungen Menschen verlangt wird. Jede einzelne Bewegung wird mit der größten Körperspannung vollzogen und jeder kleinste Fehler wird korrigiert. Sobald sich der Schauspieler in Position stellt, scheint er sich in eine andere Person zu verwandeln. Am beeindrucktesten war  die Mimik des einzelnen Schülers, sobald sie bzw. er eine Rolle einnahm.  Egal, ob ein exzentrischer alter Mann mit zusammengezogenen Augenbrauen und bösem Blick oder eine junge, schöne Reiterin dargestellt wurde – das Gesicht  erschien einem jeweils wie eine Maske.


Zuletzt trafen wir zwei ältere Schüler. Wir durften sie „hinter den Kulissen“ besuchen und es wurde uns gezeigt, wie man sich als Opernschauspieler korrekt schminkt und umzieht – dies aber nicht ohne ein wenig Hilfe eines zweiten.  Danach waren wir Zeugen einer amüsanten Kampfszene zwischen zwei Freunden, welche sich bei Nacht nicht mehr erkennen und sich willkürlich attackieren. Sehr nett war  der englische Dialog, welcher während der Szene eigens für uns verwendet wurde.  Es war nämlich sehr schwierig für uns, auch nur einzelne chinesische Wörter während der Aufführung zu verstehen.


Insgesamt war dieser Ausflug für uns sehr spannend und lohnend. Zwar bedarf die chinesische Oper einiger Gewöhnung, doch ist sie sicherlich eine der interessantesten und für westliche Menschen unbekanntesten Theaterkünste.

Der Alltag der Schüler stellte sich uns  unvorstellbar anstrengend dar, aber  ihr Talent ist unbeschreiblich. Die Disziplin, der Ehrgeiz und das Durchhaltevermögen dieser jungen Menschen imponierten uns sehr.  Das Leben des durchschnittlichen deutschen Abiturienten scheint im Vergleich äußerst einfach.

All denjenigen, die nicht die Gelegenheit hatten, eine chinesische Operschule zu besuchen, sei der Film „Farewell My Concubine“ von Chen Kaige empfohlen.

Lea Hasenzahl, 12b