Wie sich Abgase in Treibstoff umwandeln lassen – Gastvortrag für die Oberstufe

 

„Innovative Zukunftstechniken oder: wie sich Industrieabgase mikrobiell verwerten lassen“ – unter diesem Titel hat Barbara Köhler von dem neuseeländischen Unternehmen LanzaTech am 19. Januar 2012 einen anschaulichen Vortrag für die Schüler der 10. und 11. Klasse gehalten. Dabei kam die Personalchefin, die auf zehntägiger Dienstreise in China war, im Fine Arts Center zunächst auf eine globale Problematik zu sprechen: die Weltbevölkerung wächst, immer mehr Menschen wollen sich mit Flugzeugen und Autos fortbewegen – aber langfristig gibt es nicht genügend Rohstoffe und die Schadstoffbelastung steigt. Doch wie wäre es, wenn Industrieabgase zur Produktion eines alternativen Treibstoffes eingesetzt werden könnten? Mit dieser Vision haben sich die Gründer von LanzaTech im Jahr 2005 selbstständig gemacht und ein Umwandlungsverfahren entwickelt, das dem Brauvorgang von Bier gleicht.

Barbara Köhler erklärte den Schülern den bio-chemischen Prozess, in dem mit Hilfe einer Mikrobe aus Abgasen der Stahlproduktion der Rohstoff Ethanol entsteht, der sich wiederum für die Treibstoffproduktion nutzen lässt. In diesem Zusammenhang kam sie auch darauf zu sprechen, weshalb LanzaTech vor eineinhalb Jahren eine Niederlassung in Shanghai eröffnet hat. „Mindestens 50 Prozent der weltweiten Stahlproduktion sind in China angesiedelt“, sagte sie. „Deshalb empfangen uns hier viele Unternehmen mit offenen Armen.“ Nicht nur aus umweltpolitischen Gründen, räumte sie ein – „ durch die Ethanolproduktion lässt sich mit wertlosen Abgasen plötzlich Geld verdienen.“

Im Anschluss an den Vortrag hatten die Schüler viele Fragen und lernten zum Beispiel, dass man 20 Prozent   der herkömmlichen Brennstoffe ersetzen könnte, wenn 50 Prozent aller Stahlproduktionsabgase in Ethanol umgewandelt werden würden. Barbara Köhler lag als Personalchefin noch eines besonders am Herzen: „Unternehmen wie LanzaTech suchen ständig gut ausgebildete und innovative Mitarbeiter“, sagte sie. „Denkt bei eurer späteren Berufswahl daran, dass es äußerst spannende Tätigkeitsbereiche für Biologen, Chemiker oder Ingenieure gibt.“ 

kp/PR