Die kunterbunte Welt des Zirkus entdecken – im Deutsch-Sprachcamp 2011

 

Sind wir hier im Zirkus? Das könnten sich Beobachter fragen, die in der letzten Ferienwoche vor Schuljahresbeginn den Raum C 1.29 in der Grundschule des EuroCampus betreten. Denn dort wimmelt es nur so vor wilden Tieren aus Papier oder Knete, und glitzernde Zirkuszelte im Miniaturformat gibt es auch. Die zwölf Kinder, die Deutsch als Zweitsprache (DaZ) lernen und vom 15. bis 19. August 2011 an dem Deutsch-Sprachcamp teilnehmen, wollen ihre eigene Zirkuswelt erschaffen und sie am Ende der Woche in Schuhkarton großen Boxen nach Hause tragen. Die meisten von ihnen kommen aus deutsch-chinesischen Familien und möchten ihre Deutschkenntnisse erweitern. „Das Wichtigste für die Kinder ist zunächst einmal, dass sie sich in der Sprache wohlfühlen und sie emotional erleben“, sagt die DaZ-Lehrerin Antje Bahr. Ihre Kollegin Lydia Schäfer, mit der sie das Sprachcamp gemeinsam leitet, ergänzt: „Wir haben Zirkus als Leitthema für das Sprachcamp gewählt, weil die geheimnisvolle Welt von Akrobaten, Zauberern und dressierten Tieren jedes Kind in ihren Bann zieht.“

Im Rahmen des spielerischen Ansatzes erweitern die fünf bis acht Jahre alten Teilnehmer aus der Vorschule, der 1. und 2. Klasse ihren Wortschatz jeden Tag etwas mehr. Dazu tragen neben Bastelarbeiten, Liedern und Gedichten auch Aktivitäten wie zum Beispiel das Tiere-Raten bei. Mit Fragen wie „Wo lebt mein Tier?“ oder „Welche Farbe hat sein Fell?“ finden die Mädchen und Jungs heraus, welches Tier auf ihrer jeweiligen Karte abgebildet ist, die sie zugeteilt bekommen haben. Den Kindern gefällt das Programm. „Wir finden Zirkus toll und sprechen den ganzen Tag nur Deutsch“, sagen die Freundinnen Aila (6) und Lya (5). „Manche Kinder sagen aber noch nicht so viel.“ Das liegt an dem teilweise sehr unterschiedlichen Sprachniveau: „Einige Kinder lernen erst seit wenigen Monaten Deutsch, andere schon seit einigen Jahren“, sagt Antje Bahr. Im Sprachcamp sei eine individuelle Förderung aber gut möglich.

Das Ferienangebot im DaZ-Bereich wird in dieser Form erstmals am EuroCampus der Deutschen Schule Shanghai umgesetzt. Die Lehrerinnen haben den Bedarf bereits in der Planungsphase bemerkt: „Eine wachsende Anzahl von Kindern kommt aus Familien, in denen wenig, manchmal sogar gar kein Deutsch gesprochen wird“, sagt Lydia Schäfer. Das Sprachcamp sei auch für Neuankömmlinge ein guter Anfang, um sich in der deutschen Sprache und in der Schule einzuleben. Über eine Fortsetzung des Feriencamps soll deshalb im Laufe des Schuljahres gesprochen werden.

kp/PR