Grundsätze der Leistungsbewertung in Deutsch

Die Anforderungen zur Leistungsbeurteilung ergeben sich aus den Lernzielen und Lerninhalten des Lehrplanes. Sie werden entsprechend der Klassensituation und den im Unterrichtsprozess bearbeiteten Inhalten unter Berücksichtigung der verschiedenen Niveaustufen konkretisiert. Im Deutschunterricht sind das sprachliche Handeln der Kinder, ihr Nachdenken über Sprache und dessen Gebrauch sowie der Umgang mit Literatur von tragender Bedeutung. Diese Inhalte, die sich in den Lernbereichen des Faches Deutsch widerspiegeln, sind bei der Unterrichtsgestaltung integrativ zu bearbeiten, um ganzheitliches Lernen zu ermöglichen. Aus diesem Lernprozess gehen integrative Lernkontrollen organisch hervor. Mit didaktisch-methodischer Sorgfalt werden sie in den Unterricht eingefügt. Lesen, Lesemotivation und selbstständiger Umgang mit Texten sowie die Kommunikation über den Textinhalt, das Untersuchen und das Werten von Texten eingeschlossen, sind wesentliche Inhalte des Deutschunterrichtes. Lesen muss deshalb von Anfang an auf Sinnentnahme und Auseinandersetzung mit den Texten gerichtet sein. Leseleistungen sind nach folgenden Kriterien zu beurteilen:  

- Leseverständnis bzw. Sinnentnahme

- Lesesicherheit

- Lesetempo sowie

- Fähigkeit zu klanggestaltendem Lesen.  

Bei der Beurteilung mündlicher Sprachleistungen können folgende Kriterien herangezogen werden:

- Fähigkeit, Gedanken, Absichten, Vorstellungen, Überlegungen und Gefühle in der Weise auszudrücken, dass ein Zuhörer sie nachvollziehen kann

- Fähigkeit, das Gehörte aufzunehmen, zu verarbeiten, während des Sprechens eigene Gedanken zu entwickeln sowie Meinungen, Wünsche und Interessen situationsbezogen zu äußern

- Fähigkeit, den Gesprächspartner anzunehmen, zu verstehen und Gesprächsregeln einzuhalten.   

Die Entwicklung der Schreibfähigkeit ist eine wesentliche Aufgabe des Deutschunterrichtes. Die Lernbereiche des Faches sowie alle Fächer der Grundschule leisten zu deren Ausprägung einen entsprechenden Beitrag. Bei der Erarbeitung von Texten sind die Phasen des Schreibprozesses  

- Texte planen

- Texte aufschreiben

- Texte berarbeiten  

zu beachten und in die Bewertung mit einzubeziehen. Verfasste Texte werden mit einem Verbalurteil ergänzend eingeschätzt. Schreib- und Rechtschreibleistung spielen bei der Beurteilung von Texten eine untergeordnete Rolle; sie werden nicht in die Leistungsbewertung einbezogen. Zur Entwicklung der Schreibfähigkeit ist es darüber hinaus wichtig, Rechtschreibnormen zu kennen und zu beachten. Aufgabe des Lehrers ist es, die Phasen auf dem Weg zu einer normgerechten Rechtschreibung als Anforderungen zu definieren und bei der Leistungsbeurteilung zu beachten.  Im Prozess des Rechtschreiblernens werden die Schüler befähigt, - den Wortschatz sicher zu verwenden - rechtschriftliche Regeln anzuwenden - Rechtschreibstrategien bei der Schreibung von Wörtern zu nutzen.  Dabei entwickeln sie ein rechtschreibliches Problembewusstsein. Die Rechtschreibleistungen von Kindern zeigen sich beim Schreiben eigener Texte, beim selbstständigen Üben von Rechtschreibung und bei Selbst- und Partnerkontrollen. Mit Diktaten kann überprüft werden, inwieweit der klassenbezogene Wortschatz verwendet und einfache Regeln bei der Schreibung von Wörtern angewendet werden können. Traditionelle Diktate, als eine Form schriftlicher Lernerfolgskontrolle, erfassen in einer stressgeprägten Situation nur ausgewählte Leistungsbereiche der Rechtschreibung. Deshalb sind sie als Übungsmöglichkeit zu nutzen und durch andere Diktatformen und weitere Beobachtungs- und Beurteilungsformen zu ergänzen. Sprachverwendungssituationen, die sich im Unterricht anbieten bzw. aus dem Unterricht ergeben, sind Grundlage, um über den Sprachgebrauch nachzudenken. Synergien Mutter- bzw. zwischen Familiensprachen und Deutsch werden ermöglicht und gezielt genutzt. Schwierigkeiten oder Auffälligkeiten, auf die die Kinder im Sprachgebrauch stoßen, werden zum Gegenstand der Untersuchung und zum Ausgangspunkt für korrektes Sprachhandeln. Neben diesen situativen Gelegenheiten ist es notwendig, die gewonnenen Einsichten und Fähigkeiten zusammenzufassen, zu systematisieren und zu Üben. Beide Aspekte sind bei der Leistungsbeurteilung zu berücksichtigen.  Die Schüler sind anzuregen, zur Kontrolle schriftlicher Arbeiten Wörterbücher zu benutzen.  Gezielte Könnensanalysen sollen die Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten, des sprachlichen Handelns sowie der Schreibfähigkeiten eines Kindes begleiten und Ausgangspunkt für individuelle Hilfe und Förderung sowie differenziertes Arbeiten sein.